Ein Hund aus dem Tierheim ist……

…manchmal ein „Problemhund“, weil der Mensch ihn dazu macht. Grundsätzlich ist die Anschaffung eines Hundes aus dem Tierheim eine gute Wahl! Und dies gleich in vielerlei Hinsicht. Unter anderem geben wir „gestrandeten“ Hundeseelen ein neues Zuhause. Wir betreiben damit Tierschutz der besonderen Art. Zudem wissen wir mittlerweile hoffentlich alle, dass Tierheimhunde keine schlechtere Wahl gegenüber Hunden aus Zuchtstätten sein müssen. Doch ein Umstand scheint immer wieder merkwürdig und bedenkenswert. Rund 10 bis 14 Tage nach der Übernahme eines Hundes aus dem Tierheim in eine neues Zuhause beklagen viele Hundebesitzer zunehmende Verhaltensauffälligkeiten bei den Vierbeinern, die es zu Beginn der Übernahme aus dem Tierheim nicht gegeben hatte. Wird dann das Tierheim kontaktiert, endet das nicht selten mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Der Verantwortliche im Tierheim beteuert, dass der Hund dort keine Auffälligkeiten gezeigt hatte und der „neue“ Hundebesitzer erhebt den Vorwurf, dass ihm die Auffälligkeiten nur verheimlicht worden seien. Seit sehr vielen Jahren werde ich vergleichsweise häufig mit dieser Merkwürdigkeit konfrontiert und kenne mittlerweile die hauptsächlichste Ursache für dieses Phänomen. Das Leben eines Hundes im Tierheim ist, allgemein gesehen, ereignisarm, einseitig, aber auch organisatorisch klar strukturiert. Die Fütterungs- und Gassigehzeiten sind meist festgelegt. Die Kontakte zwischen Tierpfleger und Hunden finden ebenfalls regelmäßig, wenngleich oberflächlich und meist zeitlich nicht ausreichend, statt. Lebt nun ein Hund bereits mehrere Monate oder gar Jahre in einem Tierheim, sind die eher einseitigen Tagesabläufe quasi in dessen Gehirn programmiert. Auffälligkeiten zeigen diese Hunde in der Tat selten. Und dann tritt tatsächlich und glücklicherweise ein Mensch oder eine Familie in das Leben des Vierbeiners. Mit der Mit-nahme in ein neues Zuhause verändert sich das Leben des Hundes radikal! Im Tierheim eher nebensächlich steigt der Vierbeiner nun zum Mittelpunkt seiner neuen Familie auf. Und wird vor allem in der Anfangszeit mit ständig neuen Umwelt- und sozialen Reizen konfrontiert, die vor allem eines erzeugen: STRESS! Ein paar Tage kann ein Hund diesen Stress womöglich noch kompensieren, doch irgendwann spielen die Synapsen im Gehirn verrückt und es gibt erste stressbedingte Verhaltensauffälligkeiten. Am schlimmsten sind die Hunde davon betroffen, deren neue Besitzer glauben, dass der arme Hund furchtbar viel durchgemacht haben muss und es deshalb nun besonders(!) gut haben soll. Wer den äußerst lobenswerten Gedanken, einem Tierheimhund ein neues Zuhause geben zu wollen, umsetzen will, sollte genau diesen Fehler nicht begehen. Gerade zur Eingewöhnung sollten die Rahmenbedingungen noch nicht erheblich von der Haltung im Tierheim abweichen. Jede Menge Ruhephasen, Einhaltung fester Fütterungs- und Gassigehzeiten, keine übertriebenen Sozialkontakte und die Vermeidung ständig neuer und stresserzeugender Umwelteinflüsse. Nur so lässt sich garantieren, dass nicht bereits nach 10 bis 14 Tagen ein sehr kurzer und stressintensiver Aufenthalt mit einer ungewollten Rückgabe ins Tierheim enden muss!

Quelle: Thomas Baumann, Hundezentrum Baumann GmbH

Eine Idee zu “Ein Hund aus dem Tierheim ist……

  1. Matthias Dielmann sagt:

    Toller Artikel. Lesenswert, darüber habe ich selber noch gar nicht angedacht. Hinzufügen gilt noch, wenn man sich einen Hund anschafft, sollte man sich Gedanken machen, was man von einem Hund erwartet und zu den Erwartungen die passende Rasse auswählen. Dies ist auch ein entscheidender Fehler der häufig begangen wird
    und nach dem Kauf zu Unzufriedenheiten auf beiden Seiten führt.

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