Extremismus in den Mensch Hund Beziehungen

Unter Extremismus verstehen wir radikale und auch einseitig ideologische Einstellungen zu bestimmten Inhalten unseres Lebens oder unseres Lebensumfeldes. Dass wir dabei auch in Mensch-Hund-Beziehungen sehr häufig auf extremistische Grundeinstellungen treffen, muss somit nicht verwundern.

So denken und handeln viele Hundehalter extremistisch im Umgang mit ihren Vierbeinern. Belehren lassen sie sich in den seltensten Fällen, denn Umdenken bedeutet für viele Extremisten Identitätsverlust oder gar Selbstaufgabe.

Wir können dabei die Extremisten in zwei Kategorien einteilen – in „gute“ und in „schlechte“ Menschen.

Die „schlechten“ Hundehalter setzen auf pure Autorität und Funktionalität im Umgang mit Hunden. Sie verlangen beispielsweise absoluten Gehorsam, brechen jeden Widerstand, dulden keine Eigeninitiative, üben starken erzieherischen Druck aus und kümmern sich wenig bis gar nicht um die grundlegenden sozialen Bedürfnisse ihrer Vierbeiner.

Es dominieren Regeln, Verbote und Einschränkungen. Lebensqualität nehmen diese Menschen nur für sich selbst in Anspruch.

Lebensfreude des Hundes erscheint ihnen nebensächlich.

In der anderen Kategorie der Extremisten regieren die „guten“ Menschen. Sie überschütten ihre Hunde mit sozialer Fürsorge, mit täglichen, weitreichenden und umfassenden Beschäftigungsangeboten und mit ausschließlich tabufreien Zonen im engeren Zusammenleben. Sie halten erzieherisches Reglementieren durch Zwänge und aversive Reize für Tierquälerei und verzichtbare STRAFE! Sie entschuldigen sich bei ihren Vierbeinern, wenn sie diese versehentlich mal anrempeln sollten.

Sie sind überzeugt, dass ihr Hund immer und überall glücklich sein soll, vermeiden Stresseinflüsse und geben ALLES, damit es ihrem Vierbeiner gutgehen kann.

Perfekt erscheint es diesen Hundehaltern dann auch noch, wenn sich der Vierbeiner möglichst INTENSIV an SEINEN Menschen bindet.

Dass es sehr vielen dieser „Gut-Mensch- Hunde“ ebenfalls an Lebensqualität fehlt, erkennen diese Extremisten nicht, denn schließlich tun sie ja nur „Gutes“.

Erkennbar ist diese Form des Extremismus auch am täglichen, inflationären Einsatz von Leckerli-Gaben, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund bestimmen. Dass aber ständig „Gutes“ am Ende häufig „Schlechtes“ nach sich zieht, ist schon lange auch eine Erkenntnis aus der Kinder-Erziehung.

Die glücklichsten Familienhunde hingegen kennen weder „Kadaver-Gehorsam“ noch einhundertprozentige Disziplin und Unterordnung. Sie kennen aber auch keinen permissiven (antiautoritären) und völlig reglementierungsfreien – auf Scheinheiligkeit beruhenden – Umgang. Die glücklichsten Hunde kennen sehr wohl erzieherische Zugriffe und Reglementierungen, aber auch Liebe und Zuneigung. Sie begegnen dem Menschen, dem sie vertrauen, mit Zuneigung, Freundlichkeit aber auch Respekt.

Sie sehen die soziale Wertigkeit ihres Menschen deutlich vor einem Leckerli und scheinen ganz einfach zufrieden zu sein, nicht in die Hände eines Extremisten gekommen zu sein.

Das Zauberwort in der Mensch-Hund-Beziehung lautet „autoritativ“ und meint, dass wir sowohl autoritär als auch liebevoll mit unseren Hunden umgehen sollten. Genau zwischen den beiden Extremen.

Quelle: Thomas Baumann, Hundezentrum Baumann GmbH

 

 

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