Persönliche Ansichten eines Hundehalters und Trainers:

Ich stelle verstärkt fest, dass Hunde für manche Menschen Lücken ausfüllen sollen, die sie selbst als Mensch nicht leben oder ausdrücken können. Der Hund soll ausdrücken, was diese Menschen denken, fühlen, empfinden und soll eine Art Wunschbild erfüllen. Sei es im Aussehen, in der Rasse, im Verhalten oder als Wiedergutmachung aus dem Tierschutz. Es gibt genügend Hundehalter, die eigene Schwächen und Unsicherheiten, die sie im täglichen Leben haben, über ihren Hund ausleben und kompensieren. Der Hund wird benutzt, um sich selbst darzustellen, in welcher Form auch immer. So sehe ich immer wieder z.B. unsichere Hunde, die auch unsichere Menschen an ihrer Seite haben oder ich sehe aggressive Hunde, deren Menschen es auch oftmals an Freundlichkeit und Höflichkeit fehlt. Aber genau das ist das Problem.
Denken Sie mal an einen Spiegel, den uns unsere Hunde immer vorhalten. Also täte man gut daran, wenn man sich zum Beispiel einen unsicheren Hund holt, dass man selbst, um seinem Hund zu helfen, ein sicherer und ausgeglichener Mensch ist.
Sprichwörtlich für seinen Hund ein Fels in der Brandung ist, an dem sich der Hund orientieren kann und darüber wieder zu seiner Sicherheit findet.
Wenn ich helfen will, dann darf ich mich nicht zu einem Teil des Problems machen, sondern muss den Gegenpol darstellen. Suchen Sie sich, falls sie noch keinen Hund haben oder einen weiteren Hund haben wollen, den Hund nicht nach Rasse, Äußerlichkeiten und nur aufgrund ich will ja helfen aus.
Suchen Sie sich den für SIE und Ihrem täglichen Umfeld passenden Hund aus.
Auch die Glaubwürdigkeit einiger Hundehalter ihren Hunden gegenüber kann man oft in Frage stellen. Es werden formale Vorgaben und starre Regeln mit Konsequenz und Kompetenz verwechselt. Klare Regeln für einen Hund sind unabdingbar, haben aber nichts mir starren Regeln und auch nichts mit Härte zu tun. Regeln sind dafür da, dass sie eingehalten werden. Aber die Durchführung der Einhaltung muss immer auch situationsbedingt und auf den Hund entsprechend durchgeführt werden.
Man ist nicht der Chef, indem man festgeschriebene Regeln aufstellt.
Es ist umgekehrt:
Wenn man der Chef ist, dann hat man das Recht, klare Regeln aufzustellen. Also müssen Sie erst der kompetente Chef für Ihren Hund werden, den Ihr Hund versteht und dem er vertraut. Dann wird er auch Ihre Regeln gerne befolgen.
Eine Freundschaft und Partnerschaft zum Hund bedeutet und beinhaltet auch eine Art Gesetz im Umgang miteinander. Gesetze kann man auch als Rahmenbedingungen und Voraussetzungen bezeichnen, die eine Freundschaft erst ausmachen. Hierzu gehört, dass eine Beziehung immer auch soziale Reibung und Diskussion bedeutet. Aber seien Sie doch mal ehrlich, gerade das macht doch die Sache oder anders ausgedrückt, die Beziehung mit unserem Hund so spannend, aufregend und faszinierend. Haben wir uns denn nicht Hunde ins Haus geholt, weil wir ein individuelles Lebewesen an unserer Seite haben wollen!? Also ist es unsere Pflicht, unseren Hund auch als solches zu beachten und zu behandeln. Das heißt nicht als menschlichen Ersatz, für soziale Ersatzfunktionen, sondern als hündischer Partner an unserer Seite, der durch uns geführt werden möchte. Wir sind verpflichtet, unseren Hund den richtigen Weg im Zusammenleben mit uns und in unserer menschlichen Welt zu zeigen, auch mal gegen sein Aufbegehren.
Erik Zimen hat einmal gesagt:
„Die Menschen sind unfähig, ihre Hunde für Fehlverhalten zu bestrafen, weil sie befürchten, von ihnen dann nicht mehr geliebt zu werden“.
Dieser Ausspruch sollte für Erik Zimen die Kernaussage seines, leider nie fertig gestellten Buches, Gesetze einer Freundschaft werden.
Hinter dieser Freundschaft zwischen Hund und Mensch verbergen sich Rahmenbedingungen einer guten, stabilen und funktionierenden Beziehung. In einer solchen Beziehung darf es auch mal Konflikte und erzieherische Maßnahmen zum Lösen geben. Nur somit wird solch eine Beziehung auch mit Leben ausgefüllt.
Noch einen kritischer Gedanke zur Hunde-Szene im Allgemeinen und zu den unsäglichen Diskussionen über die richtigen und falschen Erziehungsmethoden bei Hunden. Kann man nur schwarz oder weiß sehen? Nein, man kann und sollte natürlich nicht! Aber leider wird es in der Hundeszene allzu oft so gehandhabt. Es wird sich gegenseitig zerfleischt und nieder gemacht. Es wird über die verschiedenen Trainingsmethoden diskutiert und nur die eigene Methode/der eigene Erziehungsstil als richtig und gut empfunden. Der Leidtragende sind im Endeffekt der Hund und seine Menschen. Ich bin in den verschiedensten Gruppen zum Thema Hund bei den einschlägigen Social-Networks und erlebe immer wieder diese unsäglichen Kommentare und Diskussionen in solchen Posts.
Aber es spiegelt für mich auch unsere Gesellschaft wider. In den Social-Networks ist es einfach, anders Denkende und Handelnde meist unqualifiziert und unter der Gürtellinie zu kritisieren. In einem persönlichen Gespräch würde das sicher nicht so ablaufen.
Man sollte sich vielmehr fragen, was das individuell Beste für den jeweiligen Mensch und den jeweiligen Hund ist und was zum Erfolg führt? Oder geht man nur nach seinen eigenen Vorstellungen und das Hund-Mensch-Team wird hinten angestellt?
Jetzt werden viele Hundehalter und Kollegen antworten:
Ja klar geht es uns um das jeweilige Hund-Mensch-Team und darum diesen Teams zu helfen….
Wenn das aber so wäre, dann würden diese Diskussionen gar nicht erst aufkommen.
Es stellt sich die Frage, wer entscheidet denn eigentlich darüber, welcher Erziehungsstil der gewünschte ist?
Der Hundehalter, in erster Linie. Ob diese Lösung dann tatsächlich zu diesem Mensch-Hund-Team passt, ist doch eine ganz andere Geschichte. Ich persönlich als Trainer habe selbstverständlich meine eigenen Vorstellungen und auch entsprechende Vorgehensweisen für meine Arbeit. Hierzu gehört auch eine, wenn nötig tierschutzkonforme situationsabhängige körperliche Einflussnahme gegenüber dem Hund. Dies schließt jedoch nicht eine positive Verstärkung, ein Lob aus. Wir sollten nicht vergessen, dass wir es mit Lebewesen auf beiden Seiten zu tun haben und dass wir mit keinem Lebewesen der Welt, egal ob Hund oder Mensch, nach einer festgelegten Bedienungsanleitung vorgehen können. Mich interessieren selbstredend auch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Trends für die Hundeszene, aber ich arbeite mit meinen Kunden und vor allem mit deren Hunden, sowie mit meinen eigenen Hunden in erster Linie davon losgelöst, intuitiv mit dem ganz normalem Menschenverstand und angepasst an das jeweilige Team. Im Endeffekt ist die Erziehung bei Hunden von den Grundpfeilern immer gleich:
Klarheit – Konsequenz – Grenzen setzen – Belohnung.
Was möchte denn jeder Hund von seinem Menschen? Das sein Mensch ihm ein kompetenter Partner und Führungspersönlichkeit ist, die ihm die notwendige soziale Sicherheit im alltäglichen Zusammenleben gibt. Es ist das Recht unserer Hunde, die Kompetenz und Führung seines Halters zu hinterfragen. Sehen Sie dieses als Chance für sich selbst an, Ihrem Hund Ihre soziale Führungskompetenz zu beweisen. Die Kompetenz des Halters ist entscheidend. Nicht die Rasse oder Herkunft des Hundes. Abschließend möchte ich nochmal diese Kompetenz gegenüber dem Hund aus meiner persönlichen Sichtweise zusammenfassen:
Was ist Kompetenz aus Sicht des Hundes?
Was ist ein kompetenter Hundehalter?
Kompetenz hat weder etwas mit Macht noch mit Hierarchie zu tun.

Wenn ich Kompetenz mal aus Sicht eines Hundes in der Beziehung zu seinem Menschen sehe, würde ich es als Hund so definieren: Mein Mensch ist ein kompetenter Partner und auch eine kompetente Führungspersönlichkeit wenn er von seinem Handeln und Tun überzeugt ist, ehrlich, intuitiv und situationsbedingt mit mir umgeht. Mir nicht versucht, etwas anderes als er fühlt vorzuspielen und sein Verhalten und Handeln mit allen notwendigen Konsequenzen mir gegenüber gerechtfertigt ist. Er ist kompetent, wenn er mich als das ansieht, was ich bin:
Ein Hund und Individualist mit all seinen Eigenarten und Verhaltensmustern, wie die Menschen sie auch haben. Wenn er in mir keine Sache sieht, die man mit einer festgeschriebenen Bedienungsanleitung programmiert, sondern individuell der Situation und meiner Persönlichkeit angepasst mit mir kommuniziert und umgeht. Er ist kompetent, wenn er nicht andauernd versucht, mich als Hund zu ändern und ihn anzupassen, sondern sich auf meine Hundewelt einlässt und diese akzeptiert.
Als zufriedener und glücklicher Hund würde ich zu meinem Halter sagen:
„Hier bin ich Hund, hier darf ich’s sein.“

©Andreas Schmitt – Hund-Beziehung-Mensch.de

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