Das „Leckerli“ Himmel oder Hölle

Dass unsere Hunde hochsoziale Wesen sind, bezweifelt wohl kaum noch jemand.
Aber genau deshalb stellt sich die Frage, warum so viele Hundehalter ihre eigene soziale Wertigkeit und Attraktivität im Zusammenleben mit dem Hund mehr als in Frage stellen.Genau das geschieht nämlich in erschreckend vielen Mensch-Hund-Beziehungen durch das Leckerli!
Bei genauem Hinsehen entpuppt sichdas Leckerli allzu häufig als sozialer „Killer“, der dieviel wertvolleren sozialen Kommunikationsformen zwischen Mensch und Hund so sehr in den Hintergrund stellt.
Das Zusammenleben zwischen Zwei-und Vierbeiner ist ohne Leckerli weitaus schöner, spannender undabwechslungsreicher. Ohne Leckerli ergeben sich im Alltag wunderschöne Momente des sozialen Austausches, die mit Leckerli ganz einfach nicht denkbar sind.
Wenn der Zweibeiner nicht als „Futterautomat“, sondern als Sozialpartner in Erscheinung treten kann, liegtder Zufriedenheits-Level bei beiden Beteiligten deutlich höher.
Eine besonders hohe Lebensqualität zeigen uns immer wieder die Hunde, die ihre Zweibeiner ihrer selbstwillen lieben und nicht beim Blickkontakt den einzigen Gedanken auf eine Futterbelohnung richten. Die Beziehungsqualität kann zwar mit Leckerli grundsätzlich zufriedenstellend verlaufen, die Verbesserung
einer sozialen Bindung (soziale Anhänglichkeit / Zugehörigkeit) aber ist bei „inflationärer“ Leckerli-Belohnung undenkbar.
Immer mehr Hundeschulen greifen dieses Thema auf und propagieren beispielsweise: „bei uns wird ohne Leckerli trainiert, damit der Zweibeiner nicht zum Futterautomaten degradiert wird“
Aha! Dass in dieser Aussage auch Fehler stecken, zeigt, wie individuell wir das Thema „Leckerli“ behandeln müssen. Denn nur Nachteile hat die Leckerli-Belohnung ganz sicher nicht.
Das Leckerli kann nämlich eine starke „Brücke“ zur VERBESSERUNG einer nicht optimalen Beziehung zwischen Mensch und Hund sein.
Im Einzelfall müssen wir unter Einbeziehung von Leckerli eine vorübergehende Brücke zum sozialen Zusammenwachsen schaffen. Allerdings solltedieser künstliche Brückenbau nur von vorübergehender Zeitdauer sein. Zielstellung ist nämlich immer das Ausschleichen von Leckerli-Gaben mit gleichzeitiger Hervorhebung
sozialer Werte durch mehr soziale Attraktivität. Ansonsten droht eine „Dealer-Junkie-Beziehung“. Hinzu kommt, dass alles, was wir unseren Hunden im Sinne einer Konditionierung beibringen (technische Übungen, Beschäftigungsvarianten) mithilfe der Leckerli-Belohnung schneller und effektiver zum Erfolg führt.
Wir müssen allerdings die Begriffe KONDITIONIERUNG(„technisches“Training) und ERZIEHUNG (überwiegend soziale Einflüsseund damit auch Bindung und Beziehung) inSachen Leckerli unterschiedlich bewerten.
Für die Erziehung eines Hundes sollte das Leckerli methodisch weit hinter den sozialen Strategien und
Taktiken stehen. Im Vordergrund steht hier die Persönlichkeit des Zweibeiners und nicht irgendwelche
materiellen Hilfsmittel.
Hingegen spricht für das beispielsweise Beibringen von Tricks, ZOS, Bringübungen, Freizeit-und Sportaktivitäten sowie weiteren Beschäftigungsvarianten überhaupt nichts gegen Leckerli, da Lernvorgänge im Rahmen einer Konditionierung nachweislich beschleunigt werden.

Quelle: Thomas Baumann, Hundezentrum Baumann GmbH

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.